Seite erstellt am 18.08.1998
 Seite aktualisiert am 16.04.2014

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Gesundheitsberatung

"Psychologische Beratung im Gesundheitsbereich" Bundesausschuß "Psychologische Beratung" im BDP, Bonn 2000 (PDF-Datei)

Gesundheitsberatung / - coaching

Dipl.-Psych. Julia Scharnhorst MPH

Das Gesundheitswesen wird für den Einzelnen immer unübersichtlicher. Fast jedes Jahr gibt es neue Berufsbezeichnungen auf dem Gesundheitsmarkt. Gleichzeitig kennen viele nicht den richtigen Ansprechpartner, wenn sie gesundheitliche oder psychische Fragen oder Probleme haben. Unser Gesundheitssystem ist vorwiegend auf Kuration ausgerichtet. Prävention und der Umgang mit den stetig zunehmenden chronischen Krankheiten erfordern aber andere Herangehensweisen.

Andererseits gibt es ein großes Interesse an gesundheitlichen Themen. Gesundheitsratgeber, gleich welcher Qualität, lassen sich immer gut verkaufen. Viele Menschen sind auch bereit, alternative Wege zu erproben, ohne über Qualitätsmaßstäbe zu verfügen, anhand derer sie unerprobte, fragwürdige Methoden von hilfreichen unterscheiden könnten. Neben dem Interesse an der eigenen Gesundheit und Fitness steigt auch der gesellschaftliche Druck auf jeden von uns, Verantwortung für die Gesundheit zu übernehmen und diese nicht ganz den sozialen Systemen zu überlassen.

Leider sind nicht alle Menschen mit dem nötigen Wissen ausgestattet, um diese Verantwortlichkeit auch sinnvoll umsetzen zu können. Hier kommt der Gedanke des Empowerment ins Spiel. Es geht hierbei darum, durch Informationsvermittlung, Schulung, Ausprobieren von gesundheitsförderlichem Handeln, Menschen in die Lage zu bringen, selbst gesundheitsförderliches Handeln in ihr Leben zu integrieren.

Die oben angeführten Gründe bilden den Hintergrund für das neue Berufsbild des Gesundheitsberaters, -trainers oder -coaches. Die Ärzte sind aus Zeitgründen schon lange nicht mehr in der Lage, diese Aufgabe auszufüllen. Daher gibt es inzwischen eine Reihe von Fortbildungsangeboten, die mehr oder minder fundiert zum Gesundheitsberater ausbilden. Psychologen mit Erfahrungen und Ausbildung in Gesundheitsförderung sind jedoch optimal geeignet, um Einzelpersonen oder Gruppen als persönlicher Gesundheitsberater zur Seite zu stehen.

Üblicherweise verfügen Psychologen bereits über ein Fachwissen über Selbstmanagement-Techniken, Stress-Bewältigung, Entspannungsverfahren oder Methoden der Überwindung von Abhängigkeiten. Idealerweise sollten sie als Gesundheitsberater auch über Fachwissen im Bereich gesunde Ernährung, Bewegung und Grundlagen der chronischen Erkrankungen verfügen. Zumindest sollten sie aber mit einer Reihe von Experten zusammenarbeiten, an die sie bei diesen Fragen weiter verweisen könnten. Auch ein ärztlicher Check-up ist natürlich vor Beginn der Beratung sinnvoll.

Der Gesundheitsberater könnte entweder Gruppen zu bestimmten Themen anbieten, z. B. Stressbewältigung. Er könnte aber auch mit Einzelpersonen ein individuelles Gesundheits-Programm entwerfen und begleiten. Es muss im Sinne einer Gesundheitsanamnese der aktuelle Status mit Gesundheitsressourcen und -belastungen erhoben werden. Das gesamte Umfeld des Klienten muss in die Betrachtung einbezogen werden. Dann muss gemeinsam mit dem Klienten eine Priorisierung der zu behandelnden Themen durchgeführt werden. Dies könnte beispielsweise der Einbau von mehr Bewegung in den Alltag oder das Aufgeben des Rauchens sein. Später können dann weitere Themen bearbeitet werden.
Es müssen dann konkrete Schritte erarbeitet werden, mit denen der Klient seine selbst gesteckten Ziele nach und nach erreicht. Gemeinsam müssen Hindernisse erkannt und Mittel zu deren Überwindung entwickelt werden. Hier ist die Vermittlung von Selbstmanagement-Techniken besonders wichtig. Dies ist auch der entscheidende fachliche Vorteil, den Psychologen in der Gesundheitsberatung bieten können. Ein reine Ernährungsberatung konzentriert sich meist auf die Vermittlung von Wissen über gesunde Ernährung, hilft jedoch nicht bei der Umsetzung im Alltag.

Je nach Bedarf kann so ein Gesundheitscoaching einmal wöchentlich oder auch in größeren Abständen stattfinden. Auch die Intensität, in der der Gesundheitsberater aktiv wird, kann variieren. Es kann durchaus sinnvoll sein, selbst mit dem Klienten joggen zu gehen oder zumindest einen persönlichen Trainer für ihn zu organisieren. Auch das Medium der Beratung kann wechseln. Neben persönlichen Treffen können natürlich auch telefonische, briefliche oder elektronische Kommunikation ein gesetzt werden.

Von der Arbeitsweise unterscheidet sich das Gesundheitscoaching also nicht allzu sehr vom herkömmlichen berufsbezogenen Coaching. Allerdings ist das Themenfeld ein völlig anderes, so dass anderes Fachwissen und ein anderes Expertennetzwerk erforderlich sind. Bei beiden Themen ist aber in nächster Zeit mit einer steigenden Nachfrage zu rechnen.