Seite erstellt am 20.09.1999
 Seite aktualisiert am 01.04.2004

Sektion: Gesundheit & Umwelt:
"Gesundheit  für Alle":
Weltgesundheitsorganisation:
"Gesundheit für alle im 21. Jahrhundert"

Die Weltgesundheitsorganisation (WHO) hat 1998 die globale Strategie „Gesundheit für alle im 21. Jahrhundert" verabschiedet.
Sie ist als „Health for all in the twenty-first century"  veröffentlicht.
Daraus ist hier ausgewählt und sinngemäß (nicht von der WHO autorisiert) übersetzt:

Zusammenfassung

„Gesundheit für alle im 21. Jahrhundert" ist eine Strategie mit dem Ziel, die bei der Konferenz in Alma-Ata 1978 auf den Weg gebrachte Vision „Gesundheit für alle" (GFA) zu realisieren. Sie setzt für die ersten 20 Jahre des 21. Jahrhunderts globale Prioritäten und Ziele, um für die Menschen weltweit Bedingungen zu schaffen, damit sie während ihres gesamten Lebens eine bestmögliche Gesundheit erreichen und aufrecht erhalten können. „Gesundheit für alle im 21. Jahrhundert" ist die kontinuierliche Fortsetzung des Prozesses für die GFA. 

In den vergangenen 20 Jahren hat die primäre Gesundheitsversorgung als ein Eckstein für die GFA Anstöße und Engagement für Fortschritte zur GFA angeregt. Trotz dieser Teilerfolge ist der Fortschritt behindert, und zwar aus folgenden Gründen: unzureichendes politisches Engagement zur Umsetzung der GFA-Strategie, langsame sozioökonomische Entwicklung, Schwierigkeiten beim Umsetzen eines sektorübergreifenden Handelns für Gesundheit, unzureichende Finanzierungsmittel für Gesundheit, schnelle demographische und epidemiologische Veränderungen sowie natürliche und von Menschen verursachte Katastrophen. Weiterhin hat die Armut weltweit zugenommen. Gesundheit ist am meisten in den Ländern beeinträchtigt, denen es bisher nicht gelingt, angemessene Einkommensstandards für alle Menschen zu sichern. 

Obwohl das 21. Jahrhundert neue Bedrohungen bringt, gibt es für ihre Überwindung neue Möglichkeiten und Ansätze. Die Globalisierung von Handel, Verkehr, Technologie und Kommunikation brachte wesentliche Vorteile hervor, lieferte jedoch auch ernstzunehmende negative Auswirkungen. Globale Umweltgefährdungen verlangen dringende Aufmerksamkeit. Neue Technologien können Gesundheitssysteme verändern und Gesundheit verbessern. Stärkere Partnerschaften für Gesundheit zwischen privaten und öffentlichen Bereichen und mit der bürgerlichen Gesellschaft können zu stärker verbundenem Handeln zur Unterstützung von GFA führen. GFA ist eine Vision, die die Einzigartigkeit des Menschen anerkennt und daher die Notwendigkeit erkennt, weltweit und in einem Geist von Solidarität Gesundheit zu fördern sowie Krankheit und Leid zu verringern. 

Die Realisierung der allgemeinen Zielperspektiven von GFA ist von einem starken Engagement für ihre maßgeblichen Werthaltungen abhängig: die Sorge für die bestmögliche Gesundheit als fundamentales Menschenrecht; die verstärkte Anwendung ethischer Prinzipien in der Gesundheitspolitik, Gesundheitsforschung und für Gesundheitsdienste; die Ausführung einer auf Chancengleichheit orientierten Politik und von Strategien, die Solidarität betonen; die Berücksichtigung geschlechtsspezifischer Unterschiede in der Gesundheitspolitik und ihren Strategien. Diese Werte sind eng verbunden, jeder Wert betont die Ausführung der Politik und ihrer Strategien. 

Die allgemeinen Zielperspektiven und die Ziele helfen, die Vision von „Gesundheit für alle" zu definieren. Die allgemeinen Zielperspektiven von GFA sind: eine Zunahme an Lebenserwartung und Lebensqualität für alle Menschen; eine bessere Chancengleichheit für Gesundheit im Vergleich zwischen den Ländern und innerhalb der einzelnen Länder; sowie ein sicherer Zugang zu nachhal-tigen Gesundheitsdiensten für alle. Die Ziele sind definiert, um Handlungswege zu bahnen und Prioritäten für die Zuteilung von Ressourcen zu setzen. Die 10 globalen Ziele zur Unterstützung von GFA geben frühere GFA-Ziele wieder und stimmen mit den in bisherigen Weltkonferenzen beschlossenen Zielen überein. Die Ziele sind auf die Gesundheitspolitik und Gesundheitssysteme bezogen und sollen ein Handeln für Gesundheitsbedingungen bewirken, das zu einer Verbesserung von Gesundheitsergebnissen und von Zugängen zur Gesundheitsversorgung führt. Das Anstreben dieser Ziele ist ein sicherer Weg zur Verwirklichung der allgemeinen Zielperspektiven von GFA. Regionale und nationale Ziele sollen mit Bezug auf die globale Politik entwickelt werden und die Verschiedenheit regionaler und nationaler Bedürfnisse und Prioritäten widerspiegeln. 

Aktivitäten in allen Mitgliedsstaaten zur Verwirklichung der allgemeinen Zielperspektiven von GFA sind an zwei Politikzielen zu orientieren: 1. Gesundheit zu einem Zentrum der menschlichen Entwicklung machen; 2. nachhaltige Gesundheitssysteme für die Bedürfnisse der Menschen entwickeln. Durch das erstere Ziel wird anerkannt, daß Gesundheit sowohl eine Quelle als auch ein Ziel von Entwicklung ist. Auch ist die Gesundheit von Menschen, besonders der am meisten benachteiligten Menschen, ein Indikator für die Qualität einer auf Entwicklung orientierten Politik. Aktivitäten, die sich auf Gesundheitsbedingungen beziehen, sollen Armut bekämpfen, Gesundheit in allen Settings fördern, politische Strategien in verschiedenen Sektoren auf Gesundheit ausrichten und bestätigen, daß Gesundheit in Planungen für eine nachhaltige Entwicklung eingeschlossen ist. 

Gesundheitssysteme haben auf gesundheitliche und soziale Bedürfnisse der Menschen über ihre gesamte Lebensspanne zu antworten. Dafür und zur Etablierung einer primären Gesundheitsversorgung sind nachhaltige Gesundheitssysteme zu entwickeln, die in bezug auf wesentliche Gesundheitsfunktionen Chancengleichheit garantieren. Diese Funktionen beinhalten: eine qualitativ gute Versorgung, auf die gesamte Lebensspanne bezogen; Vorbeugung und Kontrolle gegenüber Krankheit und Gesundheitsschutz; Förderung von Gesetzen und Regelungen zur Unterstützung von Gesundheitssystemen; Entwicklung von Gesundheitsinformationssystemen und Sicherstellung aktiver Überprüfungsstrategien; Förderung der Anwendung von und Innovation in gesundheitsbezogene Wissenschaft und Technologie; Aufbau und Erhalt menschlicher Resourcen für Gesundheit; und Sicherung einer angemessenen und nachhaltigen Finanzierung. Ein sozial aufmerksames Gesundheitssystem schließt die Beachtung der ökonomischen, soziokulturellen und spirituellen Werte und Bedürfnisse von individuellen Menschen ein. 

Die Rollen der WHO und der Regierungen bestehen in einem entschiedenen Eintreten für die Sicherstellung einer Politik, die zu wesentlichen Verbesserungen in der Gesundheit führt. Regierungen brauchen die Entwicklung und Durchführung einer Politik, die den Werthaltungen von GFA entspricht. Wenn sie dafür sorgen, erkennen sie, daß Investitionen in Gesundheit zu besseren Gesundheitsergebnis-sen und besseren Leistungen für angezielte Prozesse einer nachhaltigen menschli-chen Entwicklung beitragen. Als Anwalt für die Weltgesundheit will die WHO eine globale Führerschaft für die Erreichung der GFA ausüben. Die WHO will ein internationales kollektives Handeln für Gesundheit fördern. Dazu entwickelt sie globale ethische und wissenschaftliche Normen und Standards, stellt sie internationale Instrumente zur Förderung und Erhaltung globaler Gesundheit zur Verfügung, erleichtert sie technische Kooperation zwischen den Ländern, stärkt sie das Treffen von Entscheidungen durch geeignete Gesundheitsinformationssysteme, richtet sie aktive Überprüfungssysteme ein, stärkt sie globale Forschungskapazitäten, bietet sie Führerschaft für die Ausrottung, Elimination und Bewältigung ausgewählter Krankheiten an, bietet sie technische Hilfe zur Verhütung von Notfällen im Bereich öffentlicher Gesundheit und zur Rehabilitation nach Notfällen an. 

Ein Fortschritt von der Politik zur aktiven Umsetzung erfordert dynamische Führerschaft, Beteiligung und Unterstützung  durch die Öffentlichkeit, ein klares Verständnis für Vorsätze und angemessenen Ressourcen. Um den Wandlungsprozeß zu unterstützen, bedürfen folgende Aufgaben einer spezifischen Aufmerksamkeit: die Stärkung von Fähigkeiten für eine aktive Politik, die Entwicklung von Systemen einer guten Integrationspolitik, die Setzung von Prioritäten auf verschiedenen Ebenen, die Stärkung und Erweiterung der Partnerschaften für Gesundheit sowie die Einrichtung von Überprüfungs- und Bewertungssystemen. 

Ein verbindliches Handeln auf allen Ebenen - global, regional, national und lokal - ist entscheidend dafür, um die Vision „Gesundheit für alle" in eine praxisbezogenen nachhaltigen Realität öffentlicher Gesundheit zu verwandeln.