Seite erstellt am 18.08.1998
 Seite aktualisiert am 27.03.2017

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Religionspsychologische Fragestellungen für die psychologische Arbeit

von Maximilian Rieländer, 17.11.2004

Hier sind einige religionspsychologische Fragestellungen dargestellt, deren Klärung für die psychologische Arbeit sinnvoll ist

Religiosität und psychische Gesundheit

Eine zentrale religionspsychologische Fragestellung lautet:

Welche Bedingungen und Auswirkungen religiösen Erlebens, Denkens und Handelns kennzeichnen eine gesunde oder kranke Religiosität?

Die Gesundheits-Krankheits-Polarität beinhaltet drei Aspekte:

  • Stärkung oder Schwächung psychosozialer Selbstkompetenz/Ich-Stärke,
  • Stärkung oder Schwächung sozialer Kompetenzen und Einstellungen sowie
  • Gewinn oder Verlust von Wirklichkeitssinn.

Religionspsychologische Fragestellungen in Beratung und Therapie

In Beratungs- und Therapieprozessen mit KlientInnen tauchen öfters religionspsychologische Fragestellungen auf; Menschen berichten z.B. von religionsnahen Erlebnissen, von Konflikten in/mit religiösen Gemeinschaften, usw..

Die Grundrechte von Menschen auf freie Wahl ihrer Weltanschauung und Religion sind von PsychologInnen zu wahren, solange Menschen mit ihrer Wahl positive soziale Einstellungen verbinden.

PsychologInnen haben vor/über ihrer Berufstätigkeit ihre eigene Weltanschauung: religiös in einer Glaubensrichtung, agnostisch oder atheistisch.

Es ergeben sich folgende Fragen:

  • Wie können PsychologInnen mit religiösen Fragestellungen und religiösen Erlebnissen von KlientInnen umgehen?
  • Wie können PsychologInnen die Weltanschauungsfreiheit von KlientInnen auf dem Hintergrund ihrer eigenen Weltanschauung unterstützen? Wie weit ist es unter dieser Aufgabe sinnvoll, dass PsychologInnen ihre eigenen weltanschaulichen Haltungen mitteilen?

  • Wie können PsychologInnen positive Wirkungen von Religiosität unterstützen und negative Wirkungen von Religiosität vermindern?

  • Welches religionspsychologische Wissen ist für PsychologInnen sinnvoll, damit sie bei KlientInnen positive und negative Erscheinungen von Religiosität besser verstehen und ‚behandeln’ können?

  • Wie weit haben Zielsetzungen in der Beratung und Therapie eine religionspsychologische Relevanz, z.B. im Sinne von Seelen-Heil?

Religionspsychologie für spezifische psychologische Anwendungsfelder

Die Bedeutung von Religiosität und Religionspsychologie hat in einigen Anwendungsfeldern der Berufspraxis von PsychologInnen verstärkte Bedeutung:

  • in allen Aspekten des Grenzbereiches von Sterben und Tod:
    • Todesangst
    • Verarbeitung traumatischer Lebensgefahr (Notfallpsychologie)
    • Trauerarbeit
    • Sterbebegleitung und Hospizarbeit
    • Suizidgedanken und –versuche,  Suizidprophylaxe
  • für religionspsychologische (und parapsychologische) Kriterien zum angemessenen Verstehen außergewöhnlicher Erfahrungen zwischen Normalisierung und Pathologisierung.

Die psychologische Arbeit in religiösen bzw. kirchlichen Einrichtungen

Viele PsychologInnen arbeiten in kirchlichen Einrichtungen und Beratungsstellen, was die Erwartungen von KlientInnen und die Arbeit von PsychologInnen beeinflussen kann.

  • Bringen KlientInnen, die sich an kirchliche Beratungsstellen wenden, spezifische Erwartungen und religionsbezogene Einstellungen mit?
  • Wird das berufliche Selbstverständnis von PsychologInnen durch ihre Arbeit im Rahmen kirchlicher Einrichtungen beeinflusst?
  • Werden Prozesse psychologischer Beratungen in kirchlichen Beratungsstellen spezifisch beeinflusst?