Seite erstellt am 18.08.1998
 Seite aktualisiert am 16.04.2014

Gesundheitspsychologie > Veranstaltungen >
Beiträge beim BDP-Kongress 2003 am 02. - 05. 10. 2003 in Bonn

Fachbereichsprogramm: "Gesundheit und Wohlbefinden als Ziele gesundheitspsychologischer Berufsfelder"
am Freitag, 03.10.2003 von 9 - 12.30 Uhr und 14 - 17.30 Uhr

In der Krise des krankheitsorientierten Gesundheitswesens mit Einsparungen in der Gesundheits- und Sozialpolitik gewinnen gesundheitsfördernde Maßnahmen mit präventiven (Neben-)Wirkungen für Menschen und Politik an Bedeutung. Als PsychologInnen können wir die gesundheitspsychologische Chance nutzen, durch Fach- und Berufsarbeit primär Gesundheitsförderung anzuzielen und so optimistische Blickweisen für die Zukunft fördern. PsychologInnen stellen gesundheitspsychologische Berufsfelder vor und erläutern, wie sie in verschiedenen Feldern mit gesundheitsförderndem bzw. ‚salutogenetischem' Verständnis arbeiten.

09.00 - 09.30 Uhr: Dipl.-Psych. Maximilian Rieländer
Seelische Gesundheit durch Beratung und Therapie fördern

09.30 - 10.00 Uhr: Dipl.-Psych. Dr. Barbara Schulte-Steinicke
Kreatives Schreiben zur psychologischen Selbsthilfe für seelische Gesundheit fördern

10.00 - 10.30 Uhr: Dipl.-Psych. Susanne Kopp
Das Gravesmodell als Beitrag zur Salutogenese

11.00 - 11.30 Uhr: Dipl.-Psych. Karin Plöhn
Gesundheitspsychologische Arbeit von PsychologInnen in der und mit der AOK

11.30 - 12.00 Uhr: Dipl.-Psych. Julia Scharnhorst, MPH
Herausragende gesundheitspsychologische Angebote von deutschen Krankenversicherungen und aus den USA

12.00 - 12.30 Uhr: Dipl.-Psych. Christof Wiesner, MPH
Online assistierte Coachingprogramme zur individuellen Lebensstiländerung für Ernährung, Bewegung und Entspannung

14.00 - 14.30 Uhr: Dipl. Psych. Martina Abel
Die Sicherheit unserer Kinder verbessern - durch psychologische Arbeit als Geschäftsführerin

14.30 - 15.00 Uhr: Dipl.-Psych. Susanne von Daniels
Menschen mit Behinderungen und ihre Familien im Dschungel des medizinischen Gesundheitswesens - ein psychologisches Tätigkeitsfeld ?!??

15.00 - 15.30 Uhr: Dipl.-Psych. Gerlinde Dingerkus & Dipl.-Theol. cand.Psych. Josef Kafko
Hospizarbeit als gesundheitspsychologisches Berufsfeld

16.00 - 17.30 Uhr: Rundgespräch zum gegenseitigen Erfahrungsaustausch (Moderation: Dipl.-Psych. Maximilian Rieländer & Dipl.-Psych. Julia Scharnhorst MPH):
Chancen gesundheitspsychologischer Arbeit mit positiven Perspektiven


Seelische Gesundheit durch Beratung und Therapie fördern

Dipl.-Psych. Maximilian Rieländer

Für die psychotherapeutische Tätigkeit lassen sich krankhafte psychische Störungen sozusagen als Eintrittskarte betrachten, um eine Psychotherapie im Sinne des Psychotherapeutengesetzes zu erhalten; als wesentliche Zielperspektive lässt sich jedoch immer die einer Förderung seelischer Gesundheit verstehen.

Wer eine Störung subjektiv erlebt, erlebt einen unerfüllten Wunsch. In der ersten Beratungsstunde äußern Menschen auf entsprechende Fragen wie: „Was fehlt Ihnen? Welche Wünsche von Ihnen sind unerfüllt?“. oftmals Wünsche zu mehr seelischer Gesundheit, insbesondere zu psycho-somatischer Ausgeglichenheit, zu mehr Selbstvertrauen und zu besseren sozialen Beziehungen. In der Beratung und Therapie stehen dann – z.B. an Stelle einer verhaltenstherapeutischen Konzentration auf störende Symptome – folgende Aufgaben im Vordergrund: den Wille und Wunsch zu positiven Gesundheitszielen wie „psycho-somatische Ausgeglichenheit“, „Selbstvertrauen“ und „bessere soziale Beziehung“ klären, mit positiven Zielvorstellungen konkretisieren, die Zielvorstellungen durch Suggestionen und Phantasieübungen vertiefen, konkrete Handlungen zur Annäherung an die Ziele einüben und neue Handlungsgewohnheiten über jeweilige regelmäßige tägliche kleine Aktivität aufbauen.

Um „seelische Gesundheit“ zu fördern, ist es sinnvoll, „seelische Gesundheit“ positiv zu verstehen, mit umfassenden positiven Zielen zu verbinden und diese positiven Ziele in ein positives alltägliches Handeln übersetzen zu können.

Zum Begriff „Seele“: Durch ihre Seele wollen Menschen ihr Leben als ‚individuelle’ Einheit im Rahmen ihrer ökologischen Umwelt und ihrer menschlichen Gemeinschaften leben, erleben und organisieren.

„Seelische Gesundheit“ heißt dann: das persönliche Leben bewusst als ‚individuelle’ Einheit in einer ökologischen Umwelt und in konkreten menschlichen Gemeinschaften sinnvoll, kreativ und sozial leben, erleben und organisieren können.

Als umfassende positive Ziele seelischer Gesundheit lassen sich umschreiben: Einheit mit sich selbst (individuelle Einheit), in sozialen Beziehungen und Gemeinschaften (soziale Einheiten) sowie mit der Natur, mit der Menschheit und mit ‚Gott’ (globale Einheit) erleben, stabilisieren und fördern können.

Aus diesem Verständnis von seelischer Gesundheit lassen sich weitere positive Teilziele ableiten, die im Beitrag näher erläutert werden.

Literatur:

Rieländer, M.: Mehr an Gesundheit als an Krankheit denken - Plädoyer für eine positive Gesundheitsorientierung, , in: Rieländer, M. & Brücher-Albers, C. (Hrsg.), Gesundheit für alle im 21. Jahrhundert – Gesundheitsziele der Weltgesundheitsorganisation mit psychologischen Perspektiven erreichen, Bonn: DPV 1999

Jüttemann, G, (Hrsg.): Die Seele. Ihre Geschichte im Abendland, Parkland, 2000

Kreatives Schreiben zur psychologischen Selbsthilfe für seelische Gesundheit fördern

Dipl.-Psych. Dr. Barbara Schulte-Steinicke

Viele Menschen erleben in ihrer Alltagserfahrung, dass sie durch biographisches und kreatives Schreiben ihre seelische Ausgeglichenheit fördern können und dadurch auch viele Erfahrungen, Gefühle und Gedanken für sich klären können.

Das, was manch eine oder einer in Stress oder Krise spontan tut, nämlich zum Stift oder zum Notebook greifen und sich „von der Seele schreiben“, was ihn oder sie drückt, Aufgeschriebenes reflektieren und ansatzweise auch verarbeiten, ist vielen seit den Tagebucherfahrungen der Jugend geläufig.

Im Bereich psychologischer Maßnahmen zur Gesundheitsförderung und Therapie wird biographisches und kreatives Schreiben bisher nur selten gezielt gefördert. Dabei ist seit Jahren erwiesen, dass Schreiben direkt gesundheitsförderlich wirken kann.

In den USA wird diesen Fakten seit langem Rechnung getragen: Es gibt, analog zu den Kunsttherapien, eine – durch Ausbildungsgänge und eigene Forschungen abgefederte – Poetry Therapy. In Zusammenhängen von Krisenintervention und Stressprophylaxe spielt das – mit gezielten Techniken angeregte und begleitete – Schreiben eine erhebliche Rolle.

Die Referentin arbeitet in ihrer Praxis seit Jahren mit dem Medium des therapeutischen Schreibens und bildet an der Alice-Salomon-Hochschule Berlin und am Institut für Kreatives Schreiben e.V. Professionelle aus der psychosozialen Versorgung im biographischen Schreiben aus.

Im Referat werden die wichtigsten Ansätze und Forschungsergebnisse in diesem Bereich, sowie einige Textbeispiele aus ihrer Praxis vorgestellt.

Literatur:

Schulte-Steinicke, Barbara: Bilder werden Worte. Wirkungen und Einsatzmöglichkeiten des Kreativen Schreibens. Berlin 2000

Schulte-Steinicke, Barbara & Werder, Lutz von: Schreiben von Tag zu Tag. Wie das Tagebuch zum kreativen Begleiter wird. Zürich 1998

Schulte-Steinicke, Barbara: Autogenes Training und Kreatives Schreiben. Berlin 1998

Das Gravesmodell als Beitrag zur Salutogenese

Dipl.-Psych. Susanne Kopp

In den 60er und 70er Jahren begann C.W.Graves, seine Theorie zur Entstehung „menschlicher Existenzebenen“, „levels of human existence“ zu begründen.

Graves wollte im wissenschaftlichen Rahmen der Psychologie eine entscheidende psychologische Frage stellen: Was genau macht einen psychisch gesunden Menschen aus? Aus seiner Enttäuschung über Forschungsergebnisse der Psychologie mit vielen eher oberflächlichen Modellen zur menschlichen Entwicklung und Persönlichkeit entschloss er sich zu einem neuen Forschungsweg. .

Er ließ seine Studenten in den ersten Wochen ihres Studiums Referate über ihre Ansicht zum psychisch gesunden Menschen schreiben. Unverdorben von den gängigen Theorien setzten sie sich erst einzeln, dann in Gruppen und verschiedenen Übungen mit dem Thema auseinander. Dabei wurden sie von geschulten Beobachtern durch eine Einwegglasscheibe bewertet. Anschließend wurden sie erneut bezüglich ihrer Ansicht zum psychisch gesunden Menschen befragt. Oft ergaben sich durch die wechselseitige Beeinflussung Übergänge in die nächste Stufe. Die Testpersonen begannen, ihre eigene „Wahrheit“ zugunsten der nächsten „Wahrheit“ in Frage zu stellen.

In seinen weiteren Forschungen vollzog er eine Einteilung in acht aufeinander aufbauende Wertesysteme. In ihnen liegt der Schwerpunkt mehr auf dem „Wie“(Form) jemand handelt und spricht, als auf dem „Was“(Inhalt) er gerade tut. Jedes System hat seine typischen Konflikte und Lösungsmechanismen, seine Vorlieben, seine Schattenseiten..

„ In jeder Stufe der menschlichen Existenz ist der erwachsene Mensch auf der Suche nach dem heiligen Gral, der Art, wie er zu leben, wünscht. Auf der ersten Stufe sucht er nach automatischer körperlicher Befriedigung (1). Auf der zweiten Stufe sucht er eine sichere Art zu leben (2), und dies ist gefolgt, als nächstes, von der Suche nach Heldentum, Macht und Ruhm (3), einer Suche nach höchstem Frieden (4), einer Suche nach materieller Zufriedenheit (5), einer Suche nach liebevollen Beziehungen (6), einer Suche nach Selbstachtung (7) und einer Suche nach Frieden in einer unverständlichen Welt (8). Und wenn er merkt, dass er diesen Frieden nicht findet, wird er sich auf die Suche der neunten Stufe machen.“ (C.W.Graves, übers. www.clarewgraves.com)

Jede Stufe der menschlichen Existenz hat ihre eigenen Herausforderungen, es gibt keinen Stillstand. Graves’ Theorie zeichnet ein Bild des Menschen , der in einer gewissen Grundspannung lebt und versucht, diese zu lösen, indem er sich immer wieder auf verschiedenen Ebenen mit seinem Sein auseinandersetzt. Allerdings konnte Graves mit seiner Theorie vorhersagen, dass die Menschheit sich auf einen gewaltigen Entwicklungssprung, „ a momentous leap“, vorbereitet, gestützt durch das Auftauchen der Stufen 7 und 8. In gewisser Weise sind wir 25-30 Jahre später an einem solchen Punkt und versuchen, die Herausforderungen unserer Zeit global und friedvoll zu lösen.

Gesundheitspsychologische Arbeit von PsychologInnen in der und mit der AOK

Dipl.-Psych. Karin Plöhn, AOK Hessen - Abt. Gesundheitsförderung

In ihrem Beitrag stellt die Referentin werden folgende Möglichkeiten gesundheitspsychologischer Arbeit für die AOK dar:

Sie erläutert ihre eigene Arbeit als Beispiel für psychologische Arbeit im Gesundheitsmanagement bei einem Landesverband der AOK für Prävention und Gesundheitsförderung, insbesondere welche psychologischen Aufgaben sie auf welche Weise durchführt.

Sie stellt wesentliche Aspekte zur nebenberufliche Arbeit für Präventionskurse der AOK (Stressbewältigung/Entspannung u.a.) dar: Auswahl der Kursprogramme, der Kursleiter und Ansätze der Dokumentation und Evaluation.

Herausragende gesundheitspsychologische Angebote von deutschen Krankenversicherungen und aus den USA

Dipl.-Psych. Julia Scharnhorst, MPH, Health Professional Plus

Es tut sich etwas bei der Anwendung gesundheits- und motivationspsychologischer Methoden durch die Krankenversicherungen! Es gibt erste viel versprechende Ange­bote, die nicht nur auf Information und Aufklärung setzen, z. B. in Form von Broschü­ren, sondern die die Menschen direkt ansprechen und zum Mitmachen motivieren. Dabei werden verschiedene Medien eingesetzt, einige Programme gibt es nicht nur in Schriftform, sondern auch in interaktiver Form im Internet. Es werden herausra­gende Beispiele aus Deutschland und den USA vorgestellt, die sich in ganzheitlicher Form mit den Bereichen Ernährung und Bewegung beschäftigen. Nachahmung empfohlen!

Online assistierte Coachingprogramme zur individuellen Lebensstiländerung für Ernährung, Bewegung und Entspannung

Dipl.-Psych. Christof Wiesner, MPH

Moderne Gesundheitskommunikation: Gesundheitsförderung über das Internet

Neue Medien können die Vorteile massenmedialer und individuumsorientierter Kommunikation kombinieren. Computergestützt generierte individuumzentrierte Information beeinflusst das Gesundheitsverhalten effektiv. Deutsche und amerikanische Studien zeigen für die Adipositas-Prävention eine bessere Langzeitwirkung von online-Programme gegenüber der offline-Beratung.

Über zwei Jahre Erfahrung im deutschsprachigen Raum

Durch den Online-Coach der xx-well.com AG erhält ein Gesunder nach zutreffenden Angaben zu seiner körperlichen Situation eine individuelle Empfehlung, um individuelle Gesundheitsressourcen zu stärken, angegebene persönliche Gesundheitsziele zu erreichen und Risikoverhaltensweisen zu reflektieren. Diese Empfehlung wird kunstgerecht durch wissenschaftlich angemessene Algorithmen und Funktionalitäten der Software erstellt. Im Verlauf von zwei Jahren sind Erfahrungen mit dem Online-Coaching beständig im Verbesserungsprozess verarbeitet. Unabhängige Bewertungen – Stiftung Warentest: „uneingeschränkt empfehlenswert“ – sprechen für die Qualität der Programme.

Grundprinzip und Elemente der Programme

Um die Kontakte zu Klienten durch virtuellen Beratung und Information zu erhalten, nutzen die Coaching-Programme das weite Spektrum Internet basierter Kommunikation: ein dynamisch generiertes, individuell maßgeschneidertes und interaktives Programm mit Möglichkeiten der Rückmeldung, Chats mit Experten und unter Teilnehmenden, Mails zur Motivation und Information sowie direkte Beratungen per E-mail. Für Klienten werden ein gesundheitsbewussteres Selbstverständnis, gestärkte Eigenverantwortung und die Festigung gesundheitsfördernder Verhaltensgewohnheiten angezielt.

Coaching Center

Nach den im Fragebogen angegeben Daten erhält jeder Klient sein individuelles Programm auf einer nur für ihn zugänglichen Internet-Seite als personalisierter Homepage. Hier wird er detailliert angeleitet und unterstützt, sieht in grafischen Darstellungen seine persönliche (Leistung-) Entwicklung aufgrund seiner Protokollierungen, erhält ergänzende Tipps und kann einige seiner im Fragebogen gewünschten Vorlieben und Ziele ändern. Hier hat er Möglichkeiten an Experten-Chats teilzunehmen und in Gruppenchats einen Erfahrungsaustausch unter den Teilnehmenden zu erleben.

Motivationale Unterstützung und psychologische Elemente

Um Klienten in ihrer Motivation zu unterstützen, werden entsprechend dem Eingangs-Assesment konkrete Zwischenziele festgelegt, Programmerfolge registriert, strukturierte Rückmeldungen gegeben. In Kontakten werden individuelle Ansprache, individuelle Frequenz und individuelle Textbausteine genutzt. Ziel ist, dass Klienten und Online-Coach durch regelmäßige Interaktionen das Programm individuell optimieren.

Die Sicherheit unserer Kinder verbessern - durch psychologische Arbeit als Geschäftsführerin

Dipl. Psych. Martina Abel, Bundesarbeitsgemeinschaft Mehr Sicherheit für Kinder e.V.

Gesundheitsförderung und Prävention als Tätigkeitsfelder von Psychologinnen und Psychologen bringen vielfältige berufliche Rollen mit sich – sei es als Forscher, als Berater, als Trainer, als Projektmanager oder als Führungskraft. In der Praxis gibt es häufig eine Mischung dieser Rollen, was eine interessante, abwechslungsreiche, anspruchsvolle, aber auch anstrengende Aufgabe als „Generalist“ darstellt. Fähigkeiten im Bereich der Kommunikation, bei der Kooperations- und Organisationsentwicklung, bei der Konzeptbildung und Evaluation qualifizieren Psychologinnen und Psychologen im interdisziplinären Feld für die o.g. Funktionen.

Am Beispiel der Geschäftsführung eines Dachverbandes, der „Bundesarbeits­gemeinschaft Mehr Sicherheit für Kinder e. V:“ wird verdeutlicht, wie sich der berufliche Alltag als Geschäftsführerin gestaltet. Psychologisches know how steht dabei zwar nicht im Zentrum, bildet aber die Basis für eine qualifizierte Aufgabenbewältigung. Dies wird an Beispielen erläutert.

Darüber hinaus wird in die Thematik „Verhütung von Kinderunfällen“ eingeführt – ein bisher eher vernachlässigtes Gebiet der Gesundheitspsychologie sowohl im Bereich der Forschung als auch bei der Maßnahmenerprobung. Hier sind in Zukunft weiter­führende psychologische Kompetenzen gefragt!

Menschen mit Behinderungen und ihre Familien im Dschungel des medizinischen Gesundheitswesens - ein psychologisches Tätigkeitsfeld ?!??

Dipl.-Psych. Susanne von Daniels

Ausgehend von „Fallgeschichten“ werden Konfrontationen behinderter Menschen und ihrer Bezugspersonen im medizinischen Gesundheitswesen skizziert.

Anschließend wird auf psychologische Tätigkeitsfelder und Brennpunkte im Medizinwesen eingegangen und explizit gefragt: Was kann von psychologischer Seite aus Menschen mit Behinderungen und chronischen Erkrankungen im medizinischen Gesundheitswesen angeboten werden?

Ausgehend von der Darstellung der Prämissen der Selbstbestimmt - leben - Bewegung sowie praktischer Erfahrungen in einer Kinderklinik werden praktische Möglichkeiten erläutert, die gesundheitspsychologische Tätigkeit im medizinischen Gesundheitswesen verdeutlichen. Hierzu gehört beispielsweise die Erweiterung der Wahl- und Entscheidungsmöglichkeiten von Hauptpersonen, die eine Grundvoraussetzung für Selbstbestimmung darstellen. Ebenso werden Trainingsmodule für sogenannt Betroffene und Beteiligte skizziert und provokante Thesen zur Diskussion gestellt.

Hospizarbeit als gesundheitspsychologisches Berufsfeld

Dipl.-Psych. Gerlinde Dingerkus, ALPHA Ansprechstelle im Land Nordrhein-.Westfalen für Sterbende, Hospizarbeit und Angehörigenbegleitung

Dipl.-Theol. cand.Psych. Josef Kafko

Hospizarbeit ist ein neues, noch nicht klar definiertes Berufsfeld für Psychologinnen und Psychologen. Entsprechende Themen werden im Studium am ehesten in der Entwicklungspsychologie behandelt.

In einem Kurzvortrag stellt Gerlinde Dingerkus die Strukturen der Hospizarbeit – u.a. am Beispiel des Landes Nordrhein-Westfalen – und die potentiellen Tätigkeitsfelder dar.

Josef Kafko vertieft diese Ausführungen, indem er konkrete Arbeitsfelder auf Grund seiner Aktivitäten in einer ambulanten Hospizgruppe beschreibt. 

Rundgespräch zum gegenseitigen Erfahrungsaustausch: „Chancen gesundheitspsychologischer Arbeit mit positiven Perspektiven“

Moderation: Dipl.-Psych. Maximilian Rieländer & Dipl.-Psych. Gerlinde Dingerkus

Im Rundgespräch geht es um folgende Fragen, die an jede/n GesprächsteilnehmerIn gestellt werden:

  • ‚Arbeitsmarkt’-Chancen erkennen: Welche positiven Perspektiven erfahre und erkenne ich, erfahren und erkennen wir zur weiteren Entfaltung gesundheitspsychologischer Berufsfelder?
  • Sich selbst für die Arbeit ermutigen: Welche positiven ‚salutogenetischen’ Ressourcen will und kann ich, wollen und können wir bei uns selbst für unsere gesundheitspsychologische Arbeit entfalten und einsetzen?
  • Andere zur Gesundheit und Lebensentfaltung ermutigen: Welche positiven ‚salutogenetischen’ Ressourcen können andere durch meine und unsere Unterstützung für ihr Leben und ihre Gesundheit einsetzen?

Zu diesen Fragen können alle GesprächsteilnehmerInnen (incl. ReferentInnen) Erfahrungen, Fragen und Anregungen zur gesundheitspsychologischen Arbeit austauschen. So können wir gemeinsam wichtige Chancen zur Berufstätigkeit und wesentliche ‚salutogenetische’ Perspektiven für uns selbst und für die von uns betreuten Menschen und Gemeinschaften erkennen.

Geplant ist, das Rundgespräch protokollarisch aufzuzeichnen, auszuwerten und das Protokoll dann an die TeilnehmerInnen zu versenden und in der Website des Fachbereichs Gesundheitspsychologie zu veröffentlichen.